
Wann haben wir eigentlich das letzte Mal etwas zum allerersten Mal gehört? Die Premieren-Reihe der TransTraditionale ist der Ort für Neugierige mit offenen Ohren! Hier präsentiert das Trickster Orchestra unter Leitung von Cymin Samawatie an jedem Festivalabend Uraufführungen neuer Kompositionen für trans-traditionelles Kammerorchester.
Den Auftakt bildet das Werk „Runasimi (mothertongue)“ von Komponist:in inti figgis-vizueta: ein Kammermusikwerk, dessen Schwerpunkt auf organischem Musizieren durch angeleitete Gruppenimprovisation liegt. Das im Rahmen des Trans-traditionellen Musiklabors des Trickster Orchestra entwickelte Werk konzentriert sich auf Erkenntnisse zur interkulturellen musikalischen Kommunikation, die inti durch die eigene Mitwirkung und durch Auftritte mit Musiker:innen aus aller Welt gewonnen hat. „Runasimi“ bedeutet „Sprache der Menschen“ in Kichwa, jener indigenen Andentradition, aus der inti stammt. Das Stück ist eine Einladung, unser eigenes klangliches Vokabular und unsere eigene Sprache zu entwickeln – auf der Suche nach einer freudvollen, spontanen musikalischen Praxis, die mit einem tieferen kollektiven Verständnis sowie einem neugierigen, begeisterten Zuhören einhergeht.
Das Trickster Orchestra verbindet sich hier mit Mitgliedern weiterer Festival-Ensembles und stellt neben Werken von Cymin Samawatie und Ketan Bhatti auch neue Ansätze kollektiver Improvisation vor.
Das Trickster Orchestra vereint einige der weltweit herausragendsten Solist:innen in einem revolutionären Ensemble der trans-traditionellen Musik. Unter der Leitung von Cymin Samawatie und Ketan Bhatti verbindet das Orchester Instrumente diverser globaler Musiktraditionen in einem Klangkörper zwischen Improvisation und Komposition. Das Ensemble umfasst Solist:innen aus weltweiten Kunstmusiken, dem Jazz, der elektronischen, Echtzeit- und Neuen Musik sowie der freien Improvisation. Mit ihrem besonderen Wissen schmieden sie einzigartige Klangwelten und stören dabei zwangsläufig überkommene Grenzziehungen.
Seine Musik für die Gegenwart öffnet sich zur Stadt: zur ganzen Stadt! Sie bringt die heutige Vielfalt durch eine Multiplikation der musikalischen Perspektiven, der künstlerischen Möglichkeiten und des kreativen Ausdrucks zum Klingen. So entfaltet das Trickster Orchestra postmigrantische Klangkosmen im Dazwischen und Darüberhinaus – und führt mit Energie, Neugierde und schelmischer Spielfreude in eine der aufregendsten Musikerfahrungen unserer Zeit.
BESETZUNG
- Cymin Samawatie • Gesang, Dirigat,
Komposition & Künstlerische Leitung - Li-chin Li • Sheng
- Mohamad Fityan • Nay & Kawala
- Susanne Fröhlich • Blockflöten & Paetzold Kontrabassblockflöte
- Jone Bolibar Núñez • Klarinette
- Mona Matbou Riahi • Klarinette
- Tilmann Dehnhard • Querflöte & Kontrabassquerflöte
- Milian Vogel • Bassklarinette & Elektronik
- Eleanna Pitsikaki • Kanun
- Bassem Alkhouri • Kanun
- Naoko Kikuchi • Koto
- Bassem Hawar • Djoze
- Maria Reich • Violine
- Grégoire Simon • Viola
- Jakob Nierenz • Cello
- Ralf Christian Schwarz • Kontrabass
- Florian Juncker • Posaune
- Matthew Bookert • Tuba
- Lola Mlačnik • Vibraphon & Marimba
- Ketan Bhatti • Drumset, Elektronik, Komposition & Künstlerische Leitung
inti figgis-vizueta
inti figgis-vizueta (geb. 1993) ist Komponist:in und Pädagog:in und setzt historische Ästhetiken mit experimentellen Praktiken in Beziehung zu trans- und indigenen Zukünften in Beziehung. inti gilt als „immer faszinierender, aufstrebender Stern der Neuen Musik“ (LA Times) und hat Werke geschaffen, die „ein Gefühl echter dramatischer Spannung“ vermitteln (New York Times).
inti wurde von führenden Ensembles und Orchestern weltweit aufgeführt, darunter die Los Angeles Philharmonic, Boston Symphony Orchestra, Cincinnati Symphony Orchestra, American Composers Orchestra, New World Symphony, Ensemble Reflektor, Kronos Quartet, Attacca Quartet und Roomful of Teeth. inti’s Werke waren u. a. in der Carnegie Hall, im Lincoln Center, im Kennedy Center, in der Philharmonie de Paris, am Southbank Centre London, in der Muziekgebouw aan ’t IJ Amsterdam und im Konzerthaus Berlin zu hören.
inti erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter das United States Artists Fellowship 2026, den Lotos Foundation Prize, den ASCAP Fred Ho Award, den National Sawdust Hildegard Award und Förderungen der Café Royal Foundation, Dumbarton Oaks, Civitella Ranieri, der Juilliard Summer Percussion Residency sowie Music at Copland House.
inti ist regelmäßig in internationalen Lehr- und Kurator:innenrollen aktiv, u. a. bei der Luna Composition Lab, dem Fresh Inc Festival, Wildflower Composers und der Los Angeles Philharmonic Green Umbrella Series, und hat jüngst Vorträge an der Juilliard School, Harvard University, Peabody Conservatory und CalArts gehalten. inti ehrt in ihrer Arbeit ihre Quichua bisabuela, die als einzige Frau auf der plaza central als Metzgerin tätig war und Männer mit Macheten herausforderte – ein Sinnbild für Stärke, Widerstand und kulturelle Kontinuität.