
Die Musik kommt über das Wasser an.
Mit der Sheng auf der Spree nähert sich die Solistin Li-chin Li dem Radialsystem improvisierend, suchend und in Bewegung antwortend auf die Rufe des Saxofonisten Grgur Savic. Die Klänge des 3000 Jahre alten Instruments lösen sich, treiben, verändern ihre Richtung und treffen auf die Klanglandschaft des Flusses.
Am Ufer und im Gebäude greift ein großes Kollektiv aus Musiker:innen des Festivals diese Töne und Bewegungen auf. Aus Fenstern, Türen und Öffnungen antworten sie und gehen neue Verbindungen ein. So verwandelt sich das Radialsystem in einen offenen Resonanzkörper, in dem Ankunft als Übergang erfahrbar wird: durchlässig, vielstimmig, in stetiger Veränderung.
Ein Auftakt im Fließen.
Eine Ankunft, die keiner festen Form folgt.
Das Arrival endet mit einer Begrüßung durch die Festivalleiterin Cymin Samawatie und dem Beginn des Portraitkonzerts mit dem Joolaee Trio.
BESETZUNG
- Li-chin Li • Sheng
- Grgur Savić • Präpariertes Saxofon
- Trickster Orchestra
- Philip Geisler • Inszenierung & Dramaturgie
- Cymin Samawatie • Begrüßung
Li-chin li
Li-chin Li ist eine taiwanische Sheng-Solistin, Komponistin, Improvisatorin und interdisziplinäre Performerin mit einem beruflichen Schwerpunkt in Taiwan, Europa und den Vereinigten Staaten. Sie absolvierte ihr Studium am Department für chinesische Musik der Nationalen Universität der Künste in Tainan und wurde sowohl in klassischer als auch in chinesischer Musiktradition ausgebildet. Li war früh als Sheng-Musikerin im Hong Kong Chinese Orchestra tätig. In den letzten Jahren ist sie verstärkt als Solistin aktiv und arbeitete mit Dirigenten wie Shao-Chia Lü, Tung-Chieh Chuang und Shu-Han Yang sowie mit Ensembles wie dem Taipei Chinese Orchestra, Ensemble Cairn, LINEA, dem Lapland Chamber Orchestra und dem Trickster Orchestra zusammen. Sie nahm an zahlreichen Residenzen und Förderprogrammen im Bereich der experimentellen und zeitgenössischen Künste teil, darunter bei der Fondation Royaumont, am IRCAM im Centre Pompidou, an der Cité Internationale des Arts in Paris, am französischen Nationalen Zentrum für Tanz, bei EMS in Schweden, beim Asian Cultural Council in New York sowie am Avaloch Farm Music Institute. Seit 2019 ist sie Teil des langfristigen internationalen Forschungsprojekts sheng! l’orgue à bouche (2019–26), das von Tout Pour la Musique Contemporaine (TPMC) geleitet wird. Zudem ist sie als kollaborierende Musikerin am kunst- und wissenschaftsorientierten IRCAM-Projekt SoMax2 beteiligt und erforscht die klanglichen Möglichkeiten der Sheng im zeitgenössischen Kontext.
Grgur Savić
Grgur Savić ist ein interdisziplinärer Künstler, der an der Schnittstelle von Klang, bildender Kunst und Technologie arbeitet. Seine Praxis umfasst Performance, Komposition und Materialtransformation, mit Schwerpunkt auf der Dekonstruktion des Saxophons zur Erforschung von Resonanz, Vibration und der greifbaren Präsenz von Klang. Mit grafischen Partituren untersucht er die visuelle-klangliche Übersetzung und Interaktion in Echtzeit, wie in seinem Projekt air>coded, das einen Dialog zwischen menschlicher Fragilität und digitaler Präzision inszeniert und Fragen von Urheberschaft, Wahrnehmung und Handlungsmacht aufwirft: Wer führt, und wer hört zu? Seine intermediale Praxis verwandelt gefundene Objekte und verworfene Texte in hybride Klang-Text-Werke und reflektiert über Kommunikation, Urheberschaft und soziale Dimensionen von Kunst. Savić ist Gründer und leitet mehrere zukunftsweisende Projekte, darunter das audiovisuelle/New-Media-Projekt PITCH SHIFTING, das Graphic-ScoreEnsemble The FOR:M, das konzeptionelle free-Quartett VORTEX. Er kuratierte das Ende, eine Berliner Reihe für experimentelle Musik und audiovisuelle Performance in Prenzlauer Berg, und ist enges Vorstandsmitglied bei Richten 25, einem Berliner Kunstraum in Wedding, der sich experimentellem Klang und Medien widmet. Er arbeitet mit namhaften Institutionen und Festivals zusammen, darunter das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Music Biennale Zagreb, LPM – Live Performers Meeting, SONIC MATTER PLATFORM, CATALYST Institute for Creative Arts and Technology, OCT-LOFT und das International Silk Road Festival in China, sowie mit Musiker:innen, Tänzer:innen und Klangkünstler:innen wie Richard Scott, Ignaz Schick, Ute Wassermann, JD Zazie, Nic Collins, Kazuhisa Uchihashi, Tomomi Adachi, Brad Henkel, Daniel Drago, Sveta Bird, Emilio Gordoa, Sanja Star und vielen weiteren.
Cymin Samawatie
Cymin Samawatie wurde 1976 in Braunschweig geboren und arbeitet als Sängerin, Komponistin, Pianistin und Dirigentin. Sie studierte klassisches Schlagwerk, Klavier und Gesang an der Hochschule für Musik und Theater Hannover sowie Jazzgesang an der Berliner Universität der Künste. Als Sängerin ist sie mit ihrem Jazz-Ensemble Cyminology international bekannt geworden. In diesem Ensemble verschmelzen die Klangfarben des Impressionismus mit der Lebendigkeit des zeitgenössischen Kammerjazz. 2013 rief sie gemeinsam mit Ketan Bhatti und Philip Geisler das Trickster Orchestra ins Leben. Geistreich, expressiv und mit großer Experimentierlust verwebt sie hier in ihrer trans-traditionellen Variante der zeitgenössischen Musik globale Instrumentierungen und Musiktraditionen mit urbanen Live-Electronics, multilingualer Lyrik und freier Improvisation. Beim Label ECM Records veröffentlichte Samawatie ihre jüngsten vier Alben. Samawatie arbeitet auch als Lyrikerin. Ihre Gedichte werden häufig zu Libretti ihrer Stücke und thematisieren die Zerbrochenheit einer heimatlos gewordenen Welt und Utopien eines heilsamen Miteinanders. Cymin Samwaties Ensembles wurden u.a. ausgezeichnet mit dem Deutschen Jazzpreis, dem Friedlieb-Ferdinand-Runge-Kunstpreis, dem Berliner Jazzpreis, dem TONALi Musikpreis, dem GEMA Musikautor*innenpreis, dem Deutschen Weltmusikpreis RUTH, dem creole Weltmusik Award, dem Jazz & Blues Award, dem Möbus Jazz Award und dem New Generation Award.